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Die Geschichte der Chemie

Die Chemie als naturwissenschaftliche Disziplin blickt auf eine fast viertausendjährige Geschichte zurück. Sie tritt erstmals seit jenem Zeitpunkt in Erscheinung, da der Mensch zum technischen Fortschritt befähigt wurde. So traten erste Vorschriften zur Herstellung von Gläsern und Metallen schon im alten Babylon und parallel dazu in Ägypten auf. Alle diese Kenntnisse und Formulierungen waren jedoch sehr anwendungsbezogen, so dass man kaum von einer Wissenschaft sprechen kann. Erstmals mit Griechen werden Versuche unternommen, die Materie wissenschaftlich zu erklären und es wird mit Demokrit ein erstes "Atommodell" postuliert. Im weiteren Verlauf der Antike über das gesamte Mittelalter bis in die Frühneuzeit entwickelte sich eine hochdifferenzierte Experimentierkunst - die Alchemie - mehr Mystizismus als wirkliche Wissenschaft. Die Väter der heutigen wissenschaftlichen Chemie waren (als Vordenker) René Descartes und Robert Boyle im 17. Jahrhundert. 

Jahr / Zeitraum Wer Beschreibung
1.900 v. Chr.
Babylon, Ägypten
Die ersten Hochkulturen brachten den ersten technischen Fortschritt in der Geschichte der Menschheit. So erlangten die Babylonier, die Ägypter und die Chinesen erste Kenntnisse von der Metall- und Glasherstellung; auch zur Gewinnung alkoholischer Getränke oder zur Bereitung des Sauerteigs waren
chemische Kenntnisse vonnöten. Es entstanden erste Vorschriften diesbezüglich,
die jedoch allesamt anwendungsspezifischer Natur waren - es wurde
noch nicht die Frage nach dem Warum gestellt.
1.200 v. Chr.
Hethiter
Die Hethiter waren nach heutiger Kenntnis die ersten Menschen, denen die
Herstellung des Eisens aus Erz gelang. Eisen ist ein Metall, welches normalerweise
nicht gediegen in der Natur vorkommt (im Gegensatz allen anderen damals
bekannten Metallen - Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Antimon). Es waren also schon differenziertere Kenntnisse nötig, um wissen zu können, dass ein roter Stein
mittels Kohle und der Gluthitze eines Ofens in ein hartes, graues Metall verwandelt
werden kann.
Von der ersten Beschreibung der Welt zum ersten Atommodell - Die griechischen Philosophen der Antike
ca. 700 v. Chr.
Hesiod
In seinem Werk "Theogonie" (= Entstehung der Welt und der Götter) beschreibt Hesiod die Materie als aus dem Chaos entstehend. Er ist damit der erste antike Philosoph, welcher sich mit dem Wesen der Materie auseinander setzt.
ca. 624 - 546
v. Chr.

Thales von Milet
Zusammen mit Pythagoras war er der erste, welcher die Mathematik abstrahierte (d.h. sie ohne praktischen Bezug als Wissenschaft entwickelte). Neben dieser genialen Leistung entwarf er auch ein Modell, nach welchem alle Materie sich aus dem Wasser als Urstoff ableiten sollte, da dieser Stoff  sowohl überall vorkommt, als auch sehr wandlungsfähig ist. Somit konnten sich alle Formen und alle Materie vom Wasser ableiten lassen (es kommt sowohl fest, flüssig als auch als Dampf vor).
ca. 610 - 546
v. Chr.

Anaximander von Milet
"Anfang und Ursprung der seienden Dinge ist das Apeiron (das Grenzenlos-Unbestimmbare). Woraus aber das Werden ist den seienden Dingen, in das hinein geschieht auch ihr Vergehen nach der Schuldigkeit; denn sie zahlen einander gerechte Strafe und Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Zeit Anordnung."

Damit postuliert der griechische Philosoph Anaximander von Milet den Elemente-Begriff (und damit das Wesen der Materie) als von einem Urprinzip ausgehend, welches er Apeiron nennt.

ca. 588 - 524
v. Chr.

Anaximenes von Milet
"Es entsteht alles infolge einer gewissen Verdichtung der Luft
und
[die Dinge] vergehen [wieder] infolge von Verdünnung."

Anaximenes verstofflicht nun das Urprinzip Apeiron zu Luft. Somit postuliert er die Luft zu einem Ur-Stoff, von welcher sich jedwede Form der Materie durch
Verdichtung ableiten ließe. Es zeugt von Genialität, Luft ohne Messhilfen (z.B. Waagen, Luftballons u.ä.) als Materieform zu erkennen.

ca. 536 - 470
v. Chr.

Heraklit von Ephesus
Urstofftheorie, nach welcher alle Materie und alle Eigenschaften aus dem Feuer ableitbar sei. Das Feuer ("Logos" - ist das Eine, was im Wandeln des Werdenden Bestand hat. Es steht niemals still und liegt in ewiglichem Kampf, es vereinigt alle Gegensätze in sich und bringt sie hervor...)
ca. 483 - 423
v. Chr.

Empedokles von Agrigent
Empedokles fasst alle bekannten Theorien bezüglich der Materie seiner Zeit zusammen. Er begründet damit die Theorie, nach welcher sich alles aus den
Vier Elementen zusammensetzen soll. Erde, Feuer, Wasser und Luft.
Dabei besitzt jedes der Elemente gewisse Eigenschaften., welche sich
in den verschiedenen Arten der Materie wieder finden.

ca. 460 - 370
v. Chr.

Demokrit
Demokrit beschreibt alle Materie aus Atomen bestehend. (griech. a tomos = unteilbar). Dies seien kleinste Teilchen, welche nicht weiter geteilt werden können.

Es gibt unendlich viele Arten von Atomen, keine zwei wären sich wirklich gleich.
Durch die Mischung entsteht die Vielfalt der Erscheinungen der Welt.

Die späte Antike und das Mittelalter - Zeit der Alchemie als mystische Geheimwissenschaft.
300 v. Chr.
bis
1200 n. Chr.

Die Alchemie
Im Römischen Reich (Griechenland) entwickelte sich in der späten Antike die Alchemie. Nach dem Untergang des Römischen Imperiums und dem Siegeszug der Araber über weite Teile Nordafrikas, Südeuropas und Kleinasiens, griffen jene dieses Wissen auf. Mathematik und Alchemie erlebten eine Blütezeit in der arabischen Welt des Mittelalters. Später (1.000 n. Chr.) gelangten diese Wissenschaften wieder nach Europa. Die Künste und Wissenschaften unterlagen
jedoch der Zensur der Kirche - wer ihr Weltbild infrage stellte, lief Gefahr seitens
der Inquisition verfolgt und ermordet zu werden. Daher arbeiteten die Alchemisten im Verborgenen, der damals erworbene Ruf als "Geheimwissenschaft" hält sich bei der Chemie hartnäckig bis heute.
Die langsame Entwicklung von der mystischen Alchemie zur wissenschaftlichen Chemie.
13. Jahrhundert
Roger Bacon
Der erste Schritt hin zu einer genauen Wissenschaft tat in den der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein englischer Franziskaner-Mönch namens Roger Bacon (*1210 +1292). Er führte die Waage zur Abmessung der Ausgangssubstanzen in die Alchemie ein und befasste sich mit dem menschlichen Geist (und seiner
Fehlbarkeit).

Albertus Magnus
Nach den Regeln des Verstandes, aber innerhalb der Dogmen seiner Kirche erforschte Albertus Magnus (*1193  +1280) die Natur. Er entdeckte unter anderem auch das Arsen (siehe Kurz-Biografie). Magnus war einer der frühesten Gelehrten des ausgehenden Mittelalters, welcher Erkenntnisse durch Experimente und nicht durch Spekulationen und Vermutungen gewann.
14. / 15.
Jahrhundert


Höhepunkt
der Inquisition
Durch die immer stärkere Repressionen freier Forschung durch die Heilige Inquisition machen die Naturwissenschaften in den Jahren zwischen 1300 und 1500 kaum Fortschritte. Für jeden, der eine These postuliert, die nicht absolut mit den Lehren der Kirche konform geht, besteht Lebensgefahr. Erst ab der Zeit der Reformation schwand die Macht und der Einfluss der katholischen Kirche.
16. Jahrhundert
Paracelsus
Der 1493 geborene, ruhelose Wanderarzt Paracelsus war ein naturwissenschaftlicher Universalist. Er verfügte über zahlreiche Kenntnisse sowohl in der Medizin, der Mineralogie und der Alchemie.

"Das einer wisse und nicht wähne" - war seine Devise. Paracelsus war Begründer der Iatrochemie (Lehre der Chemikalien, die als Heilmittel fungieren können).


Georgius Agricola
Georgius Agricola verfasste ein sehr umfangreiches Lehrbuch (Analytisches Lehrbuch der Mineralien und Metalle), welches für die nächsten beiden Jahrhunderte das wichtigste Standardwerk bezüglich Metall- und Mineralprüfung sein sollte.
17. Jahrhundert
René Descartes
René Descartes stellt seine philosophischen Grundregeln für die Gewinnung neuer Erkenntnis auf. Er wird damit zum Vater aller neuzeitlicher Naturwissenschaft, in welcher nichts für wahr gehalten werden darf, was nicht vollkommen bestätigt bzw. nicht angezweifelt werden kann.

Robert Boyle
Robert Boyle formuliert die Chemie als "Lehre, die die Zusammensetzung und Stofflichkeit der Substanzen, sowie deren Reaktionen miteinander untersucht". Er definiert ein "chemisches Element" als Stoff, welcher durch chemische Mittel nicht weiter trennbar sei. Er unterscheidet Gemische von Verbindungen. Damit wird er zu einem der Begründer der modernen Chemie. Seine Gedanken fußen auf den Kartesischen Grundsätzen der Vernunft.

Georg Ernst Stahl
Stahl gilt als Begründer der Phlogiston-Theorie. Diese vermutet eine Stofflichkeit innerhalb der brennbaren Materie, welche beim Verbrennen entweicht.

Bedenkt man, in welchen Anfängen die Chemie damals noch steckte, und die Erscheinungsformen von Materie und Energie weitestgehend noch nicht erforscht waren, wird mit dieser, wenngleich auch nicht lange haltbaren Theorie schon etwas Wesentliches beschrieben: Man vermutet innerhalb von Verbindungen "etwas", was sie brennbar macht. Ersetzt man den Begriff "Phlogiston" durch "Bindungsenergie", und nimmt diesem "Phlogiston" seine Masse, so wird deutlich, wie nahe Ernst Stahl der Wahrheit bereits war...
Von der Phlogiston-Theorie bis zum Periodensystem der Elemente
18. Jahrhundert

Antoine Lavoisier
Antoine Lavoisier widerlegt Stahls Phlogiston-Theorie durch Aufstellen einer Gegenthese, dass den Stoffen bestimmte Energie-Inhalte zukämen. (Damit löst er das Problem, dass an Reaktionen beteiligte Stoffe vor und nach der Reaktion zusammengenommen dieselbe Masse haben, und somit kein Stoff entweichen könne - Phlogiston stellte man sich als Stoff vor. Lavoisier formuliert das Gesetz von der Erhaltung der Materie.l
19. Jahrhundert
John Dalton
John Dalton erkannte erstmals, dass Stoffe in ganzzahligen Verhältnissen ihrer kleinsten Teilchen miteinander reagieren, und postulierte eine chemische Reaktion als Umlagerung der stofflichen Zusammensetzung der an ihr beteiligten Komponenten. Somit forderte er eine begrenzte Anzahl von Urstoffen (= neuer Elementbegriff, welcher bis heute gültig ist), welche sich untereinander nur in ganzzahligen Verhältnissen verbinden.

Heute unterscheidet man nach dieser Klassifizierung die daltonischen Verbindungen (welche eben diese Forderung der Ganzzahligkeit erfüllen) von den nichtdaltonischen. Zu ihnen gehören beispielsweise viele intermetallische Verbindungen, welche eben nicht in ganzzahligen Verhaltnissen miteinander reagieren.


Jöns Jacob Berzelius
Berzelius führte aufgrund der Postulierung Daltons eine Symbolschreibweise in die Chemie ein, die bis heute ihre Gültigkeit hat. Berzelius war der Begründer der Formelschreibweise. Mit ihm machte die Chemie als Wissenschaft den entscheidenden Schritt nach vorne: Jetzt wurde es möglich, chemische Vorgänge in einer allgemein verständlichen Form zu beschreiben.

Dmitri Mendelev
Mendelev stellte das erste Periodensystem der Elemente auf - er legte damit den Elementen eine Ordnung zu Grunde, nach der sie in eine Tabelle einsortierte. Nach diesem Schema wurde es ihm möglich, noch nicht entdeckte Elemente vorherzusagen. Siehe hierzu auch unter Geschichte des Periodensystems.
seit 1901
Der Nobelpreis
Alfred Nobel, Erfinder des Sprengstoffs Dynamit, stiftete 1900 testamentarisch einen Preis, der fortan jedes Jahr die bedeutendsten Errungenschaften der Wissenschaften zu ehren.
Die Chemie zerfällt seit Beginn des 19. Jahrhunderts in immer speziellere Teilgebiete. Schnell teilte sie sich in anorganische und organische Chemie, oder Iatrochemie (bereits von Paracelsus begründet), später die Pharmachemie, Biochemie usw. Dieser Vorgang ist bis heute nicht abgeschlossen.