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René Descartes (*31.03.1596 +11.02.1650) René Descartes, latinisiert Renatus Cartesius, (* 31. März 1596 in La Haye/Touraine, Frankreich; † 11. Februar 1650 in Stockholm, Schweden) war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler. Descartes begründete den Rationalismus, dafür - und aufgrund seiner neuen philosophischen Methoden - bezeichnen ihn manche als „Vater der neueren Philosophie“. Sein rationalistisches Denken wird auch Cartesianismus genannt. Seine Auffassung bezüglich der Existenz von zwei voneinander verschiedenen 'Substanzen' - Geist und Materie - ist heute als Cartesianischer Dualismus bekannt und steht im Gegensatz zu den beiden Varianten des Monismus. Sein Ethos der Pflicht und der Selbstüberwindung hat die Literatur der französischen Klassik des 17. Jahrhunderts stark beeinflusst. Das berühmte Dictum „cogito ergo sum“ („ich denke, also bin ich“), das seiner Erkenntnistheorie zugrundeliegt, ist bis heute geläufig. Als die dauerhafteste geistige Leistung Descartes' sollte sich allerdings sein Beitrag zur Mathematik erweisen: die Entwicklung der analytischen Geometrie. Kindheit und Jugend. Descartes wurde als viertes Kind einer kleinadeligen Familie der Touraine geboren. Sein Vater war Gerichtsrat (Conseiller) am Obersten Gerichtshof der Bretagne in Rennes. Da seine Mutter gut ein Jahr nach seiner Geburt starb und der Vater rasch wieder heiratete, verlebte Descartes seine Kindheit bei einer Amme und einer Großmutter. Mit acht Jahren kam er als Internatsschüler auf das Jesuitenkolleg von La Flèche, das er acht Jahre später mit einer soliden klassischen sowie mathematischen Bildung und mit überwiegend positiven Erinnerungen an seine Lehrer und Mitschüler verließ, von denen einer, der spätere Pariser Mathematiker und Naturforscher Marin Mersenne (1588-1640) sein Freund blieb. Studien-, Lehr- und Wanderjahre. Anschließend studierte Descartes Jura in Poitiers und legte dort 1616 ein juristisches Examen ab. Statt hiernach eine juristische Karriere einzuschlagen, absolvierte er an einer Pariser Académie für junge Adelige einen Lehrgang in Fechten, Reiten, Tanzen und gutem Benehmen und verdingte sich noch im gleichen Jahr 1616 bei dem berühmten Feldherrn Moritz von Nassau im holländischen Breda. Dort begegnete er dem sechs Jahre älteren Arzt und Naturforscher Isaac Beeckman, der ihn für die Physik begeisterte und dem er dankbar für diese "Erweckung" sein erstes naturwissenschaftliches Werk widmete, das mathematisch-physikalisch orientierte Musicae compendium (1618). Nach Reisen durch Dänemark und Deutschland verdingte sich Descartes 1619 erneut als Soldat, nunmehr bei Herzog Maximilian von Bayern, unter dem er auf kaiserlich-katholischer Seite an der Eroberung Prags teilnahm, das heißt, den ersten Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges. Im November 1619, kurz nachdem er in Prag die Arbeitsstätte der Astronomen Tycho Brahe (1546-1601) und Johannes Kepler (1571-1630) besichtigt hatte, hatte er laut seiner autobiographischen Selbststilisierung im Discours de la méthode eine Art Vision: Ihm kam die Idee, dass es "eine universale Methode zur Erforschung der Wahrheit" geben müsse und dass er berufen sei, sie zu finden, wobei er keine Erkenntnis akzeptieren dürfe außer der, die er in sich selbst oder dem "großen Buch der Welt" entdeckt und auf ihre Plausibilität und Logik hin überprüft habe. In der ersten Descartes-Biographie von Adrien Baillet (1691) wird von drei Träumen berichtet, die Descartes in einer Nacht gehabt haben soll. In den fragmentarischen Olympica aus Descartes' eigenem Notizbuch, deren Inhalt aufgrund von Exzerpten von Leibniz teilweise erhalten geblieben ist, findet man jedoch keine zusammenhängende Beschreibung dieser Träume. 1620 hängte Descartes den Soldatenrock an den Nagel, machte die Pilgerfahrt nach Loretta, die er der Jungfrau Maria zum Dank für die "Vision" gelobt hatte, und ging mehrere Jahre lang auf jeweils vielmonatige Reisen durch Deutschland, Holland, die Schweiz und Italien, wobei er Einblicke jeglicher Art zu gewinnen und mit den unterschiedlichsten Personen sowie Gelehrten ins Gespräch zu kommen suchte. 1625 ließ er sich in Paris nieder, nachdem er sein Erbe angetreten und so angelegt hatte, dass es ihm ein auskömmliches Leben erlaubte. Hier verkehrte er mit Intellektuellen und in der guten Gesellschaft (bestand auch siegreich ein Duell), er las viel und schrieb (zB den kleinen Traktat Regulae ad directionem ingenii, Regeln zur Leitung des Intellekts, 1628) und gewann zunehmendes Ansehen als scharfsinniger Kopf. Insbesondere beeindruckte er auf einer Abendgesellschaft den Präsidenten des Staatsrats und Gegenspieler von Kardinal Richelieu, den Kardinal Pierre de Bérulle so sehr, dass dieser ihn zu einer Privataudienz einlud und ihn danach aufforderte, seine Theorien ausführlicher darzustellen und damit die Philosophie zu reformieren. Die Zeit der Reife und der philosophischen Werke. 1629 zog Descartes nach Holland, wo ihn vielleicht die noch bestehende (aber bald in die Brüche gehende) Freundschaft mit Beeckmann sowie zweifellos das anregende geistige Klima reizte, das in diesem multireligiösen und wirtschaftlich blühenden Land mit großer Schul- und Hochschuldichte herrschte. Hier verbrachte er, zwar im Austausch mit Intellektuellen unterschiedlichster Ausrichtung und Herkunft, aber dennoch relativ zurückgezogen die nächsten 18 Jahre, wobei er seltsam unstet Wohnungen und Wohnorte wechselte (und mit einer seiner Dienstmägde ein Kind zeugte, ein Mädchen, dessen Tod mit fünf Jahren ihn erschütterte). Vor allem korrespondierte er intensiv mit seinem Pariser Freund Mersenne und über ihn, der allein seine jeweilige Adresse kannte, mit Gelehrten aus ganz Europa sowie mit einigen geistig interessierten hochstehenden Damen. Während seiner ersten Zeit in Holland arbeitete Descartes an einem Traktat zur Metaphysik, in dem er einen klaren und zwingenden Gottesbeweis zu führen hoffte. Er legte ihn jedoch beiseite zugunsten eines großangelegten naturwissenschaftlichen Werks, das in französischer Sprache verfasst werden sollte und nicht mehr, wie seine bisherigen Texte, im die wissenschaftliche Literatur der Zeit dominierenden Latein. Diesen Traité du Monde („Abhandlung über die Welt“), wie er heißen sollte, ließ er jedoch unvollendet, als er vom Schicksal Galileo Galileis erfuhr, der 1633 von der Inquisition zum Widerruf seiner die Forschungen von Kopernikus und Kepler bestätigenden Theorien gezwungen worden war. 1637 publizierte er im holländischen Leiden anonym seinen Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences, plus la Dioptrique, les Météores et la Géométrie qui sont des essais de cette méthode (dt. Titel: Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung: wörtlich: „Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut zu gebrauchen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen, dazu Die Lichtbrechung, Die Meteore und Die Geometrie als Versuchsanwendungen dieser Methode“). Der als populärwissenschaftliches Werk auf hohem Niveau angelegte Discours de la méthode, den auch Damen lesen können sollten, wurde Descartes' langfristig wirksamstes Buch. Nach Meinung vieler Franzosen hat es ihren Nationalcharakter im Sinne des esprit cartésien geprägt, d.h. einer auf Logik, Systematik und Ordnung bedachten analytischen und rationalen Intellektualität. Kernpunkte des Discours sind: - eine Erkenntnistheorie, die nur das als richtig akzeptiert, was durch die eigene schrittweise Analyse und logische Reflexion als plausibel verifiziert ist, - eine Ethik, gemäß der das Individuum sich im Sinne bewährter gesellschaftlicher Konventionen pflichtbewusst und moralisch zu verhalten hat, - eine Metaphysik, die zwar (durch logischen Beweis) die Existenz eines vollkommenen Schöpfer-Gottes annimmt, aber kirchenartigen Institutionen wenig Raum lässt, - eine Physik, die die Natur als durch zwar gottgegebene, aber allgemein gültige Gesetze geregelt betrachtet (Wunder also ausschließt) und dem Menschen ihre rationale Erklärung und damit letztlich ihre Beherrschung zur Aufgabe macht. Langfristig weniger wirksam, aber in Fachkreisen intensive Diskussion auslösend waren die nächsten Werke von Descartes: die 1641 zunächst lateinisch gedruckten Méditations sur la philosophie première, dans laquelle sont démontrées l'existence de Dieu et l'immortalité de l'âme (so der Titel einer französischen Übersetzung von 1647; dt. „Meditationen über die Erste Philosophie, in der die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele bewiesen wird“) und die ebenfalls erst nachträglich ins Französische übersetzten Principia philosophiae („Grundlagen der Philosophie“, 1644). Sie veranlassten Utrechter und Leidener Theologen zu einer derart aggressiven Polemik, dass Descartes 1645 an einen Umzug nach England dachte und in den Folgejahren Holland mehrmals fluchtartig zu Reisen nach Frankreich verließ. Seine Erfahrungen in dieser Lage waren vielleicht Anlass für seinen Traktat Les passions de l'âme („Die Leidenschaften der Seele“, 1649), den er für seine eifrigste Briefpartnerin, Elisabeth von Böhmen, verfasste. Hierin behandelt Descartes nicht nur die direkten emotionalen Reflexe, z.B. Angst, sondern auch die spontanen Gefühlsregungen, z.B. Liebe oder Hass. Er interpretiert sie als nur allzu natürliche mentale Ausflüsse der kreatürlichen Körperlichkeit des Menschen, verpflichtet diesen aber - als ein zugleich mit einer Seele begabtes Wesen - zu ihrer Kontrolle durch den Willen und zu ihrer Überwindung durch vernunftgelenkte Regungen wie z.B. selbstlosen Verzicht oder großmütige Vergebung. Tod. Im Herbst 1649 folgte Descartes einer Einladung Königin Christines von Schweden, einer langjährigen Briefpartnerin, nach Stockholm, wo er jedoch die erhoffte Ruhe nicht recht fand, u.a. weil er morgens um fünf am königlichen Frühstückstisch erscheinen musste. Auf einem seiner Wege dorthin erkältete er sich und erlag Anfang 1650 einer Lungenentzündung. Es gibt aber auch Theorien, die besagen, dass Descartes mittels Arsen vergiftet wurde.
Quelle: Wikipedia. Der Text unterliegt der GNU-Lizenz, und darf von jedermann frei verwendet werden.